Mäusle: Wie eine scheue Katze Vertrauen fasste
Nach mehr als drei Jahren vorsichtiger Fütterung geschieht etwas Unerwartetes: Eine panisch scheue Streunerkatze beginnt plötzlich, Vertrauen zu fassen. Aus der unnahbaren Katze wird Mäusle – eine anhängliche Gefährtin, die Nähe, Spiel und Zuwendung sichtbar genießt.
Im Sommer 2008 wurde Karl Müller gebeten, eine erwachsene, herrenlose Katze in einem Gewerbegebiet einzufangen. Die Katze war abgemagert, unversorgt und extrem scheu. Schon aus großer Entfernung floh sie, sobald ein Mensch auftauchte. Nach der Kastration musste sie wieder an ihren Fangplatz zurückgebracht werden, weil kein Tierheim sie aufnehmen konnte.
Ihre vier Jungen fanden ein liebevolles Zuhause, jeweils paarweise. Die Mutterkatze blieb zurück. Von da an versorgte Karl Müller sie zweimal täglich mit Futter und Wasser. Die kleine Futterstelle lag gut versteckt und wetterfest im Gebüsch. Doch selbst nach Monaten traute sich die Katze nur heran, wenn er vollständig aus ihrem Blickfeld verschwunden war.
So ging es über Jahre. Nach mehr als dreitausend Tagen war noch immer kein wirkliches Vertrauen entstanden. Vor jedem Fressen wartete die Katze im sicheren Abstand, bis der Mensch fort war. Nähe ließ sie nicht zu.
Korrektur: Im Rohtext steht über drei Jahre und über zweitausend Fütterungen, nicht dreitausend Tage. Der Prompt muss solche Zahlen genau übernehmen.
Besser also:
So ging es über Jahre. Nach mehr als drei Jahren und über zweitausend Fütterungen wartete die Katze noch immer im sicheren Abstand, bis der Mensch verschwunden war. Nähe ließ sie nicht zu.
Die große Vorsicht gegenüber fremden Menschen ist jedoch geblieben. Andere Katzen werden gemieden. Wir sind überglücklich, weil das „Mäusle“ glücklich ist!
Im Herbst 2011 änderte sich alles. Ohne erkennbaren Anlass sprang die Katze plötzlich in nur wenigen Metern Entfernung an Karl Müller vorbei, den Schwanz erhoben und fröhlich miauend. Wenige Tage später ließ sie sich beim Fressen zum ersten Mal vorsichtig berühren. Aus dem kurzen Kontakt wurde Streicheln, bis der Napf leer war. Danach wälzte sie sich neben ihm auf dem Boden.
Schon am nächsten Tag brachte sie ihm eine Maus. Für Karl Müller war dieser Wandel kaum zu fassen: Nach Jahren voller Angst war plötzlich Vertrauen da. Bald ließ sich die Katze gerne streicheln, kam ihm vor dem Füttern entgegen und folgte ihm ein Stück hinterher. Nur anderen Menschen gegenüber blieb sie vorsichtig.
Im Herbst 2012 zog Mäusle, wie sie nun genannt wurde, zu Karl Müller und seiner Frau. In dem ruhigen Zuhause mit Garten fühlte sie sich erstaunlich schnell geborgen. Geräusche wie Radio oder Fernseher wurden behutsam eingeführt, denn anfangs suchte sie bei jedem ungewohnten Laut sofort Schutz.
Mit der Zeit wurde aus der ängstlichsten Katze eine besonders anhängliche Gefährtin. Mäusle suchte Nähe, spielte gerne, genoss Streicheleinheiten und begleitete ihre Menschen sogar durch das Wohngebiet. Fremden Menschen und Hunden wich sie weiterhin aus. Doch zu ihren vertrauten Menschen hatte sie grenzenloses Vertrauen gefasst.